Winkelstabile Implantate zur Knochenbruchbehandlung

Die Entwicklung winkelstabiler Implantate geht insbesondere auf Anforderungen zurück, die sich  bei der Stabilisierung von Wirbelsäulenfrakturen ergaben. Die hier auftretenden hohen Wechselbelastungen mit langem Hebelarm führten häufiger zum Auslockern von Schrauben mit folgendem Repositionsverlust. Um das Heraustreten der Schrauben zu verhindern, schraubte man Metalldeckel auf die Platte (Druckplattenfixateur). Die sofortige hohe Stabilität der Schrauben-Platten-Verbindung war so beeindruckend, dass man dieses Konzept auch auf die Extremitäten übertragen wollte. Unter Berücksichtigung der geringeren Weichteildeckung musste allerdings die Aufbauhöhe deutlich reduziert werden. Die aktuellen Systeme erreichen nun eine direkte und winkelstabile Verbindung zwischen der Schraube und der Platte, meist durch eine Schraubverbindung.

Ein Gewinde im Schraubenkopf fasst in ein Gewinde im Plattenloch (Abb.1). Die Konstruktion aus Platte und Schrauben ist auch ohne die Fixation am Knochen eine stabile Einheit und ist dann in der Lage, die gesamte axiale Last zu übernehmen und vom oberen auf das untere Knochenteil zu leiten (Abb.1 und 2). Eine zusätzliche knöcherne Abstützung, also eine anatomische Einrichtung, ist nicht erforderlich. So können Trümmerzonen (Abb.2) ohne Knochentransplantat stabil überbrückt werden. Das System ist nicht vom Anpressdruck der Platte gegen den Knochen abhängig.  Um die Durchblutung der Knochenhaut nicht zu beeinträchtigen werden die Platten sogar mit kleinem Abstand zum Knochen montiert. Der Knochen wird nicht durch die Schrauben an die Platte gezogen, sondern genau in der Stellung fixiert, in der er sich befindet. Ein ganz genaues Anformen der Platte an die Knochenkontur ist deshalb nicht erforderlich. Die Platte muss dabei nicht  auf der Zuggurtungsseite liegen, sondern kann dort angelegt werden, wo die Weichteildeckung günstig ist. Schrauben können bei guter Knochenqualität kurz eingesetzt werden. Um einem Plattenbruch vorzubeugen können so die bei Belastung auftretenden Wechselkräfte von einer Spitzenbelastung der Platte auf Frakturhöhe auf eine längere Plattenlänge verteilt werden. Die Ausreißfestigkeit des Implantats ist zudem erheblich vergrößert, insbesondere wenn die Schrauben nicht parallel positioniert sind. Dies ist vor allem vorteilhaft bei der Versorgung von osteoporotischem Knochen und bei kleinen Gelenkfragmenten, in denen nur eine geringe Anzahl von Schrauben oder nur kurze Schrauben platziert werden können.

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Fa. Depuy/Synthes