Knochenbrüche bei Kindern

Verletzungen bei Kindern stellen eine besondere Herausforderung für den Chirurgen dar. Mehr noch als beim erwachsenen Patienten ist die Behandlungssituation von Angst, Schmerz und der ungewohnten Situation geprägt. Eltern oder Großeltern befinden sich häufig in einer Stresssituation, die durch die Leidensbekundungen des Kindes, durch Angst vor bleibenden Schäden oder auch Selbstvorwürfen verstärkt wird. Umso wichtiger ist die rasche und kompetente Betreuung des Kindes und der Angehörigen.

Insbesondere Knochenbrüche im Kindesalter unterscheiden sich in ihrer Art und in ihrer Behandlung wesentlich von Verletzungen im Erwachsenenalter. Dies hat folgende Ursachen:

Das Skelett ist im Wachstum begriffen. Die einzelnen Knochen haben Wachstumsfugen, in denen über ein knorpeliges Zwischenstadium Knochensubstanz produziert wird. Diese Wachstumsfugen („Epiphysen“) sind auf der einen Seite sehr empfindlich gegenüber Verletzungen. Im schlimmsten Fall kann eine verletzte Fuge ihr Wachstum teilweise oder völlig einstellen und so ein Fehlwachstum verursachen. Auf der anderen Seite aber bedeuten die Epiphysen ein enormes Korrekturpotenzial. So können  in Abhängigkeit vom Alter des Kindes und der Art und Lokalisation extreme Verbiegungen und Fehlstellungen durch das weitere Wachstum rasch ausgeglichen werden.

Die Kunst der Behandlung besteht darin, die Verletzungen, die eines Eingreifens durch Operation oder bestimmte Gipsbehandlungen bedürfen zu erkennen. Wichtig ist aber auch, unnötige Operationen zu vermeiden und das natürliche Korrekturpotenzial des kindlichen Skeletts auszunutzen. Es würde den Rahmen dieser Informationsseite sprengen, einzelne Verletzungen detailliert zu diskutieren. Exemplarisch werden im Weiteren einige Beispiele gezeigt.

Das operative Vorgehen bei kindlichen Knochenbrüchen unterscheidet sich von der Strategie beim Erwachsenen. Während beim ausgewachsenen Skelett fast immer eine „100prozentige“ Einrichtung angestrebt wird, können beim Kind gewisse (nicht alle!!) Fehlstellungen toleriert und die weitere Korrektur dem Wachstum überlassen werden. Man kann und sollte deshalb die meisten Brüche minimal-invasiv stabilisieren. Die Wachstumsfugen müssen dabei geschont werden. Wichtig ist die Kenntnis, welche Situation beim Kind auch durch weiteres Wachstum nicht korrigiert werden kann und zu Problemen führen wird und deshalb einer spezifischen Behandlung bedarf.